Die Handlungsfelder von RehaFutur

| HF 1 | HF 2 | HF 3 | HF 4 | HF 5 | HF 6 | HF 7 | HF 8 | PDF |

Handlungsfeld 1

Selbstbestimmung ermöglichen und Selbstverantwortung der Leistungsberechtigten fördern

Der Paradigmenwechsel von der Fürsorge zur Selbstbestimmung, muss sich in der beruflichen Rehabilitation durch besonderen Einbezug der Leistungsberechtigten in den Rehabilitationsprozesses zeigen. Das erhöht die Motivation der Leistungsberechtigten und die ökonomische Effizienz, da durch zielgenaue Planung und Abstimmung weniger Ressourcen vergeudet werden. Leistungsberechtigte müssen dafür verbesserten Zugang zu Information und Beratung erhalten, sich ihrer Eigenständigkeit und der damit einhergehenden Verantwortung bewusst sein und diese auch annehmen und ausüben.

 

Handlungsfeld 2

Bekanntheitsgrad verbessern, Akzeptanz stärken, Zugang erleichtern

Berufliche Rehabilitation muss als sozialpolitischer Auftrag des Staates in der Gesellschaft und der Bevölkerung so bekannt und akzeptiert sein wie z.B. der Hausarzt im medizinischen Versorgungssystem.
Die verantwortlichen Akteure müssen dafür die Öffentlichkeitsarbeit verbessern und Beratungsmöglichkeiten weiterentwickeln. Nur durch einen breiteren Bekanntheitsgrad und veränderte Informations- und Beratungszugang kann der selbstgesteuerte Zugang zu Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben verbessert werden.

 

Handlungsfeld 3

Unabhängige Berufs-, Bildungs- und Lebensberatung etablieren und flächendeckend einführen

Beratungsangebote sollen transparent, leicht erreichbar und trägerunabhängig sein, um zu gewährleisten, dass Leistungsberechtigte all ihre Möglichkeiten kennen und ausschöpfen können. Im Sinne von Empowerment ist dies ein wichtiger Beitrag für die Kontrolle über die eigene Lebenssituation. Zusätzlich kann hier das Konzept des Peer Counseling eingesetzt werden. Hierbei werden Leistungsberechtigte von Personen beraten, die den Reha-Prozess bereits durchlaufen haben oder gerade dabei sind und dadurch Informationen aus Erfahrung weitergeben können.

Nach oben

Handlungsfeld 4

Am System der beruflichen Bildung orientieren

Um in der Zukunft beschäftigungsfähig zu sein, müssen Arbeitskräfte Zugang zu lebenslangem Lernen erhalten und Schlüsselkompetenzen ausbauen. Bildungsinstitutionen müssen dafür u.a. verstärkt Bildungsangebote für Ältere bereitstellen. Bezüglich der Förderung von Schlüsselkompetenzen; spielt insbesondere die Gesundheitskompetenz eine große Rolle. Netzwerke mit Arbeitgebern sollen zudem dazu beitragen, die Inklusion zu fördern.

Nach oben

Handlungsfeld 5

Systematische Vernetzungen mit der Arbeitswelt realisieren

Unternehmen definieren das Anforderungsprofil des Arbeitnehmers und stellen den Ort der Teilhabe dar. Bildungseinrichtungen der beruflichen Reha müssen sich daher als Bildungsdienstleister in einem Netzwerk von Betrieben etablieren. Eine enge Zusammenarbeit mit Arbeitgebern birgt u.a. die Möglichkeit der passgenauen Qualifizierung. Für das Unternehmen bedeutet das eine ökonomische und qualifizierte Unterstützung bei der Personalrekrutierung und -entwicklung. Für Leistungsberechtigte wird damit die schnelle Wiedereingliederung sicher gestellt.

Nach oben

Handlungsfeld 6

Berufliche Rehabilitation individualisieren und flexibilisieren

Um den Forderungen nach Selbstbestimmung, passgenauer und umfassender Qualifizierung sowie stärkerer Unternehmensanbindung gerecht zu werden, sind umfassende Umstrukturierungen im Sinne der Individualisierung notwendig. Es gilt sowohl Lernformen und Lerninhalte als auch den zeitliche Rahmen und Lernorte auf die individuellen Potenziale, Wünsche und Ressourcen der Leistungsberechtigten abzustimmen. Die Ausbildung sollte daher auf modulare Komponenten verteilt werden, die flexibel einsetzbar und kombinierbar sind.

Nach oben

Handlungsfeld 7

Gesamtprozess steuern

Im Verlauf eines Rehabilitationsprozesses müssen verschiedene Institutionen unter Berücksichtigung rechtlicher und wirtschaftlicher Bedingungen zusammenarbeiten. Die wichtigsten Schnittstellen sind dabei der Zugang zum Reha-Verfahren, der Übergang von medizinischer zu beruflicher Rehabilitation, die Planung der Maßnahme zur Teilhabe und der Übergang in die Arbeitswelt. Um die Teilprozesse nahtlos miteinander zu verzahnen und
schnittstellenübergreifend handeln zu können, bedarf es eines institutionenübergreifenden Managements. Das SGB IX muss für diese Zwecke genauestens auf seine Möglichkeiten geprüft und gegebenenfalls erweitert werden.

Nach oben

Handlungsfeld 8

Qualität sichern, Entwicklungsfähigkeit stärken

Damit das Rehasystem zukunftsfähig wird und bleibt, muss seine Qualität permanent überprüft und gesichert werden. Dafür bedarf es kontinuierlicher Analyse von Wirkungs-zusammenhängen und Verbesserungsmöglichkeiten. Wichtige Themen sind hierbei Assessment, Optimierung von Verwaltungsentscheidungen, Eingliederungsmanagement, Erfolgsfaktoren der Wiedereingliederung und die Vernetzung von medizinischer und beruflicher Rehabilitation. Um die Qualitätssicherung konsequent zu gewährleisten, müssen Strukturen für Forschungsverbünde und eine einheitliche Datengrundlage geschaffen werden.

Nach oben

Auszug aus der Stellungnahme

Hier finden Sie einen Auszug aus der Stellungnahme der wissenschaftlichen Fachgruppe RehaFutur zur Zukunft der beruflichen Rehabilitation in Deutschland mit einer ausführlichen Darstellung der 8 Handlungsfelder als PDF-Datei.

undefinedStellungnahme Kap. 5: Die Handlungsfelder

Nach oben